Ghost Nachricht von Sam

Bildnachweis: Sabrina Czak

Ghost – Nachricht von Sam – als Musical in Hamburg

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Wer regelmäßig meine Rezensionen liest, der weiß ich bin bei modernen Musicalproduktionen immer skeptisch. Bei der Stage Produktion „Ghost – Nachricht von Sam“ nach dem gleichnamigen Film von 1990, waren meine Erwartungen nicht besonders ausgeprägt. Ich war bis zum Wochenende nicht in der Lage mir vorzustellen, dass es trefflich werden könnte. Um so größer war meine Überraschung.

Der Film „Ghost – Nachricht von Sam“ ist einer der Filme meiner Jugend, den ich nicht so oft geschaut habe, wie meine Begleitung, aber Demi Moore, Patrick Swayze und Whoopi Goldberg haben der Geschichte ihre individuelle Note in meiner Erinnerung aufgeprägt. Die Darsteller im Musical hatten große Fußstapfen zu füllen.

Story von „Ghost – Nachricht von Sam“

Das Musical „Ghost – Nachricht von Sam“ erzählt die dramatisch-fesselnde Geschichte von der Stärke der wahren Liebe. Die Künstlerin Molly und der Bänker Sam sind das scheinbar perfekte Paar und unsterblich ineinander verliebt. Nichts scheint die Zukunft der Beiden verdunkeln zu können. Bis eines Abends das Unfassbare geschieht. Sam wird bei einem Überfall erschossen.

Molly trauert um ihren geliebten Sam und ist nicht in der Lage ihn los zu lassen. Sam ist es, ebenfalls nicht möglich das Leben von Molly zu verlassen, und wandert weiter als Geist umher. Er findet heraus, dass seine geliebte Molly in Gefahr ist und ist entschlossen, sie über seinen eigenen Tod hinaus zu beschützen. So lange die Liebe seines Lebens nicht in Sicherheit ist, kann er den nächsten Schritt nicht gehen.

Als Geist kann er weder von den Lebenden gesehen, noch gehört werden. Er vermag nicht ins Geschehen einzugreifen, was ihn fast in den Wahnsinn treibt. In dem Medium Oda Mae findet einen Weg, sich dem Schicksal entgegenzustellen.

Film und Musical

Kann und sollte man diesen tragisch romantischen Hollywood-Klassiker, der eine ganze Generation geprägt hat, auf die Bühne bringen? Ist es möglich den Darstellungen von Demi Moore, Patrick Swayze und Whoopi Goldberg gesanglich solch einen Charakter zu verleihen, dass der Zuschauer sich in den Film zurückversetzt fühlt? Ich dachte, dies sei unmöglich.

Überraschung garantiert.

Bis zum Samstagabend jedenfalls. Denn es war wieder einmal an der Zeit in das Stage Operettenhaus auf dem Hamburger Kiez zurück zukehren.

Bei aller Kritik, die über dieses Haus regelmäßig hereinbricht, ich mag es sehr. Am Eingang begrüßt ein klassisch gekleideter Page die Besucher, die großen Flügeltüren vermitteln eine Stimmung, die zur Entstehungsgeschichte des Hauses passt. Die großen Spiegelwandaufgänge, die ausgestellte Kunst, alles harmoniert zusammen und es fühlt sich so an in einem klassischen Operettenhaus der Vergangenheit zu Besuch zu sein.

Einziger Kritikpunkt: Die Stühle im Vorführraum könnten dringend einmal neuaufgepolstert werden. Bei der Länge einer normalen Aufführung fängt man schon vor der Pause an unruhig auf dem Sitz hin und her zu rutschen.

Der erste Eindruck im Zuschauerraum war ein bisschen enttäuschend. Es fehlte die bei Stage gewohnte Kulisse, die bis in den Raum hineinreicht. Sobald der Vorhang aufging, war meine Skepsis verflogen.

Das Bühnenbild

Jede Musicalproduktion hat für mich immer ein oder zwei Highlights, die sie unvergesslich macht. Das Bühnenbild war für mich Überraschung und optischer Genuss zugleich.

Zunächst wirkt der Aufbau steril und clean, fast schon minimalistisch mit seinen betonfarbenen Pfeilern. Industriecharme, der gut in ein großes modernes Loft passen würde. Der Clou wird erst eine Szene später klar, wenn die perfekte Projektionstechnik angeschmissen wird. Das Grau der Betonsäulen wird von einem Moment auf den anderen so fehlerlos in Szene gesetzt, dass Büroraum, Straßenzug oder U-Bahnstation ohne Umbau entstehen können.

Diese Art der Inszenierung ermöglicht rasante Szenen und Ortswechsel in einer Abfolge, dass einem manchmal etwas schwindelig werden kann. In dieser Geschwindigkeit liegt die Stärke der Produktion. Ohne die verwendete Technik wäre die Szene, in der Sam dem U-Bahn-Geist begegnet, nicht möglich gewesen. Der Geist der U-Bahn zeigt Sam, wie man Dinge als Geist bewegen kann. Dabei fliegt nicht nur Papier durch die Luft. Schauspielerisch herausfordernd und äußerst brillant umgesetzt, aber geht am besten selber hin und lasst euch überraschen.

Licht

Wir hatten Glück an einem Samstagabend die Erstbesetzung des Hamburger Cast zu erleben. Molly wurde von Roberta Valentini gegeben, die ich bereits im vorletzten Jahr in der Rolle der Beatrice bei den Freilichtspielen Tecklenburg im Stück „Rebecca“ und vor einigen Jahren in der Rolle der Elphaba bei „Wicked“ im Metronom Theater in Oberhausen hören durfte. Die Mezzosopranistin ist stimmlich eine gelungene Besetzung, der Umfang der Stimmlagen und die Stimmfarbe sind passend zum Charakter der Molly und können die verschiedenen Gemütsverfassungen ordentlich einfangen.

Sam wurde gespielt von Riccardo Greco und der herrlich verlogene Carl von John Vooijs. Stimmlich, wie schauspielerisch, ist das Stück erstklassig besetzt. Die drei Darsteller sind ab der ersten Szene an so präsent, dass sie einem Vergleich mit der Hollywoodverfilmung nicht scheuen müssen.

Marion Campbell als Oda Mae Brown

Neben dem wirklich gelungenen Bühnenbild, war musikalisch ausgerechnet eine Nebenfigur mein Highlight des Abends. Schon der erste Auftritt des Mediums Oda Mae Brown, gespielt von Marion Campbell, mit ihren beiden Schwestern, wie sie der armen Mrs. Santiago versuchen betrügerisch das Geld aus der Tasche zu ziehen, vermittelt einen sehr guten Eindruck davon mit welcher Stimmgewalt man es im Laufe des Stückes zu tun bekommen wird.

Den meisten dürfte Marion Campbell, von ihrem Auftritt 2014 bei The Voice Of Germany, ein Begriff sein. Dort hat sie mit Ihrer Vielseitigkeit überrascht, die ihr beim Engagement für „Ghost“ von Vorteil ist.

Marion Campbell erinnert mich mit ihrer tiefen und voluminösen Stimme mit einem beeindruckenden Vibrato an Tracy Chapman, hat genauso viel schwarze Stimmwucht wie nötig und genug Ähnlichkeiten in der Performance mit Whoopi Goldberg wie man erwarten darf. Sie hat dabei doch so viel Eigenes und Charmantes, dass hier der Vergleich mit dem Original aus dem Film unangebracht wäre.

Ich wage zu behaupten, dass dem Stück einiges fehlen würde, hätte man die Oda Mae anders besetzt. Das schnelle Stück lebt vom Humor, dem Sarkasmus und der Leidenschaft dieser Rolle. Den charakterlichen Zwiespalt vom Oda Mae schafft Campbell mühelos zu überwinden.

Schatten

Nicht nur eine gute Rezension, wie auch das Leben als Geist zwischen den Welten, hat ihre Schattenseiten.

Musikalisch war ich zum Teil enttäuscht. Den Grund für einige Patzer am Wochenende kann ich nicht eruieren. Ob die Technik schuld ist oder einige der Darsteller einen schlechten Tag hatten, mag ich nicht zu beurteilen. Das Zusammenspiel bei den ersten Nummern war zum Teil nicht synchron und die unterschiedliche Intensität der Stimmen schlecht untereinander abgestimmt. Der Cast hat zwei bis drei Songs gebraucht in die richtige Betriebstemperatur zu kommen.

Dem Stück liegt ein klassisches alternierendes Theme zugrunde. Der etwas schmalzig gewordene Song „Unchained Melody“ klingt immer wieder an, wird im Stück, aber kaum komplett aufgeführt bzw. die Aufmerksamkeit zuteil, den der Song brauchen würde um als Ohrwurm bei den Zuschauern zu bleiben. „Unchained Melody“ stammt von den Righteous Brothers und wird meist mit der Szene verbunden, wenn Sam und Molly mit dem Ton an der Töpferscheibe spielen.

Dass der Song so wenig Aufmerksamkeit erregt, liegt mit an seiner eigenen Geschwindigkeit. Im Gegensatz zu dem Rest der Stücke ist er einfach zu langsam. Das Tempo ist der größte Unterschied zur Filmvorlage. Das Neue am Musical „Ghost“ ist die schnelle, abwechslungsreiche und poppige Musikuntermalung, die mit jeder Menge Synthie-Sound daher kommt. Für die Produktion wurden von Dave Stewart (Eurythmics) und Glen Ballard („Man in the Mirror“) extra 24 neue Songs geschrieben.

Mein Fazit

Ja, man kann aus einem gelungenen Filmklassiker ein gut laufendes, zeitgemäßes, aber nicht klassisches Musical machen. Es sei aber jedem Besucher einer Vorstellung angeraten offenzubleiben und keine hundertprozentige Umsetzung des Films zu erwarten. Das Stück sollte nicht zu sehr zu Vergleichen anregen, sonder viel mehr als Ergänzung – alternative Umsetzung des Stoffes verstanden werden.

Der Cast braucht in Hamburg meiner Meinung nach ein bisschen mehr Zeit sich musikalisch aufeinander einzustellen. Die Inszenierung, das Bühnenbild und die schauspielerische Leistung machen vieles wett, was an musikalischer Raffinesse fehlt. Wenn Ihr die Gelegenheit habt, dann schaut euch das Musical an. Es läuft noch bis zum 13. Januar 2019 im Hamburger Operettenhaus auf dem Kiez.

Tickets und mehr Informationen zum Stück gibt es unter: https://www.stage-entertainment.de/musicals-shows/ghost-hamburg.html

Off-Topic

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Bildquellen

  • Besuch bei „Ghost – Nachricht von Sam“ in Hamburg: Sabrina Czak

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