Korallen

Hinter den Kulissen: Klimahaus Bremerhaven

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Nun ist es schon wieder ein paar Tage her, dass ich im Rahmen des Verbandtages des VDA auch hinter die Kulissen des Klimahaus Bremerhavens schauen durfte. Heute möchte ich euch in einem kurzen Beitrag teilhaben lassen an den Highlights aus der Quarantäne und dem Technikbereich des Klimahauses Bremerhaven.

Eindrücke aus der Nachzucht im Klimahaus Bremerhaven

Das Klimahaus Bremerhaven arbeitet als zoologische Einrichtung an der Arterhaltung der gezeigten Tiere mit und versucht auf Wildfänge zu verzichten. Ich möchte gar nicht versuchen eine vollständige Liste der Nachzuchten aufzustellen, dass würde den Rahmen sicherlich sprengen. Ein paar Eindrücke möchte ich euch aber zeigen.

Eumicrotremus orbis
Eumicrotremus orbis

So wird hinter den Kulissen versucht u.a. Eumicrotremus orbis zu züchten. Bisher gibt es zwei befruchtete Gelege. Der Seehase wird auch als Lump, Lumpfisch bezeichnet. Er ist ein eher als plump zu benennende Bodenfisch aus der gleichnamigen Familie der Seehasen (Cyclopteridae) und gehört in die Teilordnung der Groppenverwandten (Cottales). Das optisch Besondere an dieser nordpazifischen Art ist sicherlich die Saugscheibe. Diese Saugscheibe beginnt dicht hinter dem Kehlansatz und dient zum Festsaugen an den Meeresboden, denn der Seehase hat keine Schwimmblase. Durch diese anatomische Besonderheit sind sie an das Leben in Bodennähe angepasst.

Neotrygon kuhlii
Neotrygon kuhlii

Für den Samoabereich des Klimahauses gibt es den umgangssprachlich oft als Blaugepunkteter Rochen bezeichneten Neotrygon kuhlii, die im Quarantänebereich gepflegt und vermehrt werden. Nachwuchs gibt es bereits und nach einer geplanten Umgestaltung der Aquarienanlagen sollen diese ins Riff von Samoa einziehen. Das Verbreitungsgebiet des Blaugepunkteter Rochen erstreckt sich vom Roten Meer über den gesamten Indopazifik bis nach Japan, Samoa und Australien.

Die Neotrygon kuhlii zählen zu der Gattung der Neotrygon in der Familie der Stechrochen (Dasyatidae). Die Rochen erreichen eine Körperlänge von 70 bis 110 cm lang. Der nahezu kreisrunde Körper ist, wie bei allen Rochen, abgeflacht. Wie alle Tiere der Stechrochen verfügen die Neotrygon kuhlii über einen pfeilförmigen Schwanz, welcher so lang ist wie der Körper. Am Ende dieses Schwanzes sind die beiden Giftstachel untergebracht.

Auf der gelblichen bis grün gefärbten Oberseite der Tiere befinden sich die namens gebenden blauen Punkte. Am Schwanz können diese in weiße und schwarze Vertikalstreifen übergehen. Die Intensität der Farben können zur Tarnung von den Tieren reguliert werden. Die Unterseite ist ebenfalls gelblich, jedoch mit weißen Flecken.

Nicht nur Fische auch Korallen

Neben zahlreichen weiteren Fische werden auch verschiedene niedere Tiere vermehrt. Für eine Einrichtung, die Korallenriffe zeigt ist es notwendig, diese selber nachtzuzüchten. Es werden ganz unterschiedliche Stein- und Weichkorallen gezeigt. Ich bin kein Fachmann für die Seewasseraquaristik, daher werde ich auch nicht so tun, als ob ich die Arten alle auseinander halten könnte. Dennoch möchte ich euch ein paar Exemplare aus den Zuchtbecken zeigen.

Phytoplanktonreaktoren im Klimahaus
Phytoplanktonreaktoren im Klimahaus

Korallen, Fische und weitere niedere Tiere werden im Klimahaus Bremerhaven artgerecht ernährt. Dazu werden hinter den Kulissen des Klimahauses Bremerhaven Futtertiere selbst gezüchtet, vermehrt und zubereitet. In einem Reaktorsystem werden beispielsweise in großen Maßstab Plankton vermehrt. Planktonreaktoren werden dazu verwendet, einen dauerhaften und zuverlässigen Nachschub an frischem Plankton zu erzeugen. Plankton ist in der Nahrungskette immer der erste Grundbaustein und bildet somit ein wichtiges Element für ein Meerwasseraquarium. Fast alle Filtrierer lassen sich gut mit selbst erzeugtem Plankton ernähren.

Als Plankton werden die Organismen bezeichnet, die im Wasser leben und deren Schwimmrichtung von den Wasserströmungen vorgegeben wird. Organismen hingegen, die auch gegen Strömungen anschwimmen können, werden als Nekton bezeichnet.

Weitere Technik

Filtertechnik im Klimahaus Bremerhaven
Filtertechnik im Klimahaus Bremerhaven

Neben der Zucht von Tieren und Futter haben wir uns auch die Filter- und Beleuchtungstechnik der großen Aquariumanlagen im Klimahaus Bremerhaven angeschaut. Aktuell überarbeitet das Klimahaus nach fast zehn Jahren einige der technischen Anlagen, u.a. die Kreiselpumpen für die biologische Filterung und die ozonunterstützten Eiweißabschäumung.

Papierfilteranlage
Papierfilteranlage

Eine mechanische Filterung war ursprünglich Bestandteil der Planung für die Aquarienanlagen. Durch die besonderen baulichen Gegebenheiten des Hauses konnten diese jedoch nicht wie gewünscht integriert werden. Man hat sich dann auf eine Alternative geeinigt, die aber dem Sedimentaufkommen der Becken nicht gerecht wurde. Daher wird das System nun durch Papierrollenfilter ergänzt bzw. unterstützt. Über große Papierrollen mit speziellen Filterpapier fließt das Wasser nach der biologische Filterung. Auch die feinsten Partikel verbleiben im Filter. Weiterhin wird die biologischen Wasserbearbeitung durch Rieselanlagen verbessert. Beide Anpassungen, die aus der Betriebserfahrung des Hauses resultieren, soll die Wasserqualität steigern und für ein bessere Haltungsbedingungen der Weich- und Steinkorallen sorgen.

LED Hochleistungsleuchten
Blick von oben auf die Meerwasseraquarien mit den LED Hochleistungsleuchten

Ebenfalls ausgetauscht werden die Beleuchtungsanlagen der Aquarien. Die Dampflampen werden durch LED Hochleistungsleuchten ersetzt. Für das Klimahaus haben die neuen Lampen verschiedene Vorteile. So u.a. einen deutlich geringeren Energieverbrauch und eine bessere Lichtausbeute auch in größeren Wassertiefen.

Nicht nur für Aquaristiker interessant

Natürlich ist der VDA nicht nur die Vertretung von Aquaristiker sondern auch für alle Terraristiker. Es gab bei der Führung im Hintergrund des Klimahauses einige interessante Terrariernbewohner zu bestaunen.

So soll es für den Bereich Sardinien in der Ausstellung die Darstellung einer Ameisenkolonie geben. Daher wird im Hintergrund eine entsprechende Anlage eingefahren. Die Herrausforderung ist es, dass solch eine Kolonie gerade in der Startphase sehr empfindlich und erst ab einer gewissen Größe stressunempfindlicher ist.

Im dem kurzen Video könnt ihr eine Arbeiterin der Art Messor cf. capitatus sehen. Messor capitatus ist eine Ernteameisen-Art des westlichen Mittelmeerraums und der Atlantikküste, einschließlich des westlichen Nordafrikas.

Messor cf. capitatus

Für die Gattung Messor ist es typisch, sich hoch spezialisiert von Pflanzensamen zu ernähren. Diese Samen werden in den Bau eingetragen und zu Vorräten angelegt. Die Suche der Messor cf. capitatus nach Pflanzensamen unterscheidet sich gegenüber anderen Messor Arten.

Speziellerweise bilden die, aus dem unterirdischen Nest ausschwärmenden, Arbeiterinnen zunächst relativ stabile Straßen aus. Diese werden teilweise über Monate bis Jahre genutzt. Einmal angelegte Straßen werden meist gut gepflegt und von Hindernissen frei gehalten. Die Hauptstraßen verzweigen sich später zu weniger stabilen, kleineren Straßen.

Üblicherweise und im Gegensatz zu anderen Arten der Gattung suchen die Arbeiterinnen von Messor capitatus dann zum größten Teil individuell. Die anderen Messorarten organisieren ihre Suche in kleineren Gruppen. Nach verschiedenen Experimenten mit künstlichen Samen selektiert die Art auch nicht nach der Größe der Samen.

Weitere Eindrücke

Daneben konnten wir uns auf der Führung noch viele andere Dinge anschauen. Den Umfang dieses Beitrages würde es sprengen noch mehr im Detail darauf einzugehen. Dafür gibt es eine weitere Galerie mit den besten Bildern von der Führung.

Off-Topic

Diesen Beitrag habe ich nach einigen Hinweisen von Lutz Fischer, Leitung Aquaristik/Terraristik des Klimahaus Bremerhaven, am 11. Mai 2018 überarbeitet.

Nach einer Textanalyse ist dieser Text zu 49% subjektiv, die wichtigsten Worte sind: Klimahaus Bremerhaven, Seehase, VDA, Messor, Pflanzensamen, Rochen, Stechrochen

Ein Computer würde diesen Text der Kategorie Wissenschaft zu ordnen.

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