Ferdinand von Schirach | Carl Tohrberg

Bildnachweis: Cover: btb Verlag

Rezension: Carl Tohrberg – drei Geschichten, eine Leseempfehlung

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Ein kurzes Buch erfordert eine knappe Rezension. Ein talentierter Bäcker aus Berlin verliebt sich in eine japanische Geigerin und backt für sie die beste Torte überhaupt. Richter Manfred Seybold führt ein eintöniges Leben und klammert sich nach seiner Pensionierung an den bestehenden Berufsalltag. Der Namensgeber des Buchs, Carl Tohrberg, hatte vor Maler zu werden, arbeitet jedoch derzeit für eine Versicherung. Alle drei Geschichten von Ferdinand von Schirach steuern auf eine überraschende Wende zu.

Ferdinand von Schirach

Der 1964 in München geborene von Schirach ist Strafverteidiger. Im Jahr 2009 veröffentlichte er erstmals Kurzgeschichten unter dem Titel „Verbrechen“. Er griff dabei auf reale Gegebenheiten aus seiner Berufspraxis als Rechtsanwalt zurück. Als sein zweites Buch erschien der Erzählband „Schuld“. Beide Bücher wurden weltweit zu Bestsellern. Erwähnen möchte ich noch die folgenden Romane „Der Fall Collini“ und „Tabu“, die von fast ausnahmslos allen Literaturkritikern ausgezeichnet bewertet sind. Später schrieb von Schirach das Theaterstück „Terror“, in dem er eine durchaus realistische Dilemma-Situation verarbeitet. Das Stück ist seit 2015 in über fünfzig Städten aufgeführt worden.

Verbindung der drei Geschichten

Allen drei Begebenheiten in diesem neuen Buch ist gemeinsam, dass die Figuren mitten aus dem scheinbar normalen Alltag heraus in extreme Situationen geraten. Es bleibt zunächst völlig offen, an welcher Stelle die Fassade der Harmlosigkeit bröckelt. Ferdinand von Schirach erzählt die Geschichten sachlich, aber gleichwohl anspruchsvoll und beherrscht. Der geneigte Leser ist mitten im Geschehen dabei und nimmt Anteil an den Schicksalen der Figuren. Dass wir uns in der Wahrnehmung von Menschen täuschen, geschieht nicht nur in diesem Buch, sondern gleichermaßen im wahren Leben.

Carl Tohrberg – Erzählweise lädt zum erneuten Lesen ein

Die Kürze der Geschichten und das überraschende Moment, dessen Auftreten die drei Begebenheiten verbindet, entfachen in dem Buch das entscheidende Leseerlebnis. Darüber hinaus werden viele Leser das Buch ein zweites Mal auslesen, um die raffinierte Erzählperspektive des Autors vollends zu genießen. Welches Detail von Schirach jeweils ausgespart hat, wird in dieser Rezension folgerichtig nicht verraten.

Off-Topic

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